383 Vielleicht kann ich es noch deutlicher ausdrücken. Es zündet einer z. B. eine Lampe an. Diese Lampe, beziehungsweise das Flämmchen, welches da leuchtet, dieses Feuer hat das Licht in sich selbst; deine Augen aber, welche in Abwesenheit der Lampe untätig waren und nichts sahen, haben nun gleichfalls das Licht, allein nicht in sich selbst. Wenn sie sich darum von der Lampe abwenden, werden sie verfinstert; wenn sie sich hinwenden, werden sie erleuchtet. Dagegen jenes Feuer leuchtet, solange es da ist; willst du ihm das Licht nehmen, so mußt du zugleich das Feuer selbst auslöschen, denn ohne Licht kann es nicht existieren. Aber das Licht, das Christus ist, ist unauslöschlich und dem Vater gleichewig, es glänzt immer, leuchtet immer, glüht immer; denn wenn es nicht glühte, würde es dann wohl im Psalme heißen: „Niemand kann sich verbergen vor seiner Glut“. Du aber warst in deiner Sünde kalt, du wendest dich hin, um warm zu werden; wenn du dich abwendest, wirst du kalt. In deiner Sünde warst du finster, du wendest dich hin, um erleuchtet zu werden; wenn du dich abwendest, wirst du finster. Folglich weil du in dir selbst Finsternis warst, so wirst du, wenn du erleuchtet wirst, nicht Licht sein, obwohl du im Lichte bist. Der Apostel sagt nämlich: „Ihr waret einst Finsternis, nun aber Licht im Herrn“. Nach den Worten: „nun aber Licht“, fügte er bei: „im Herrn“. In dir also Finsternis, „Licht im Herrn“. Warum Licht? Weil du durch Teilnahme an jenem Lichte ein Licht bist. Wenn du dich aber von dem Lichte, wodurch du erleuchtet wirst, abwendest, kehrst du zu deiner Finsternis zurück. Nicht so Christus, nicht so das Wort Gottes. Sondern wie? „Wie der Vater das Leben in sich selbst hat, so hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben in sich selbst zu haben“, so daß er nicht durch Teilnahme lebt, sondern unveränderlich lebt und ganz und gar das Leben selbst ist. „So hat er auch dem Sohne gegeben, das Leben zu haben.“ Wie er es hat, so hat er es gegeben. Worin liegt der Unterschied? Der eine hat es gegeben, 384 der andere hat es empfangen. War er etwa schon, als er es empfing? Meinen wir etwa, Christus sei einmal ohne Licht gewesen, da er doch die Weisheit des Vaters ist, von der es heißt: „Sie ist der Abglanz des ewigen Lichtes“. Also wenn es heißt: „er hat dem Sohne gegeben“, so ist dies gerade so, als hieße es: er hat den Sohn gezeugt, denn durch Zeugen hat er gegeben. Wie er ihm das Sein gegeben hat, so hat er ihm das Leben gegeben, und er hat es ihm so gegeben, daß er das Leben in sich selbst ist. Was heißt das: er ist das Leben in sich selbst? Er hat das Leben nicht von anderswoher nötig, sondern er ist selbst die Fülle des Lebens, von dem die andern, wenn sie glauben, leben, so lange sie leben. Also „er hat ihm gegeben, das Leben in sich selbst zu haben“. Er hat es ihm gegeben ― als wem? Als seinem Worte, als demjenigen, welcher „im Anfang das Wort war, und das Wort war bei Gott“.